Immer mehr Reiseziele leiden unter Überfüllung – und damit stellt sich auch die Frage, wie wir eigentlich reisen. Doch anstatt ganz auf Reisen zu verzichten, lässt sich der eigene Reiseplan auch anders denken: durch clevere Wahl der Reisezeit, die Entdeckung weniger bekannter Viertel oder den Besuch alternativer Ziele, die ebenso reich an Kultur sind. Wer 2026 bestimmte Destinationen meidet, hat die Chance, seinen Horizont zu erweitern – und die Orte, die man besucht, wirklich besser zu verstehen. Wer anders reist, erlebt oft auch mehr: Zeit für Begegnungen, Raum für Überraschungen – und genau das macht das Reisen doch so besonders.

Übertourismus: eine Herausforderung für viele Reiseziele

Übertourismus

Reisen ist ein fester Bestandteil unseres heutigen Lebensstils. Noch nie war Tourismus so zugänglich, vielfältig und erschwinglich – und für viele Regionen ist er zur wirtschaftlichen Säule geworden. Doch genau diese Dynamik stößt inzwischen an ihre Grenzen, vor allem in besonders beliebten Städten und Regionen.

Wenn heute von Übertourismus oder Overtourism die Rede ist, geht es nicht zwingend um zu viele Reisende insgesamt – sondern um eine ungleichmäßige Verteilung: zu viele Besucher zur gleichen Zeit am gleichen Ort.

Das hat sichtbare Folgen für Infrastruktur, Umwelt und das Alltagsleben der Bevölkerung – unter anderem:

  • Steigender Druck auf den Wohnungsmarkt (mehr Kurzzeitvermietungen, höhere Mieten)
  • Überlastete Verkehrsmittel
  • Belastung und Abnutzung von Natur- und Kulturerbestätten
  • Entfremdung zwischen Einheimischen und Besucherinnen und Besuchern

Immer mehr Städte und Regionen versuchen daher, den Besucherandrang besser zu steuern. Und auch wir als Reisende können einen Beitrag leisten – nicht durch Verzicht, sondern durch bewusste Entscheidungen.

Ziele, die Sie 2026 besser meiden sollten – oder auf neue Weise entdecken können

Welche Reiseziele sind 2026 besonders betroffen? Die folgenden europäischen Städte sind häufig überlaufen. Deshalb schlagen wir vor, die Reisezeit oder den Reiseansatz zu überdenken – oder spannende Alternativen ins Auge zu fassen.

1. Barcelona: ein fragiles Gleichgewicht

Überfüllung durch Touristen

Barcelona steht seit über einem Jahrzehnt sinnbildlich für die Probleme des Übertourismus. Die lebendige Metropole am Mittelmeer zieht Menschen aus aller Welt an – Architekturbegeisterte, Familien, Kreuzfahrtgäste, digitale Nomaden oder Partyfans.

Rund 1,7 Millionen Menschen leben in Barcelona, doch jedes Jahr kommen fast 30 Millionen Gäste – also mehr als 17 pro Einwohnerin bzw. Einwohner. Besonders betroffen sind die Viertel Barceloneta, das Gotische Viertel oder die Umgebung der Sagrada Família. Dort dreht sich mittlerweile fast alles um Tourismus: Wohnraum wird zu Ferienwohnungen, Geschäfte richten sich nur noch an Reisende, der Nahverkehr ist überlastet.

Trotz der Versuche der Stadtverwaltung, die Besucherströme zu regulieren, dürfte Barcelona auch 2026 wieder stark gefragt sein – vor allem zwischen Frühjahr und Spätsommer.

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Besser meiden: April bis September sowie lange Wochenenden
Anders reisen: Im Winter oder Herbst – mit Zeit für weniger bekannte Stadtviertel, kleinere Museen oder Ausflüge in umliegende katalanische Orte, die bequem mit dem Zug erreichbar sind.

2. Venedig: eine Stadt am Limit

oder gehen Sie zu 2026

Venedig ist ein Paradebeispiel für ein überfordertes Reiseziel. Die weltberühmte Lagunenstadt mit weniger als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern empfängt jährlich rund 25 bis 30 Millionen Gäste.

Besonders Kreuzfahrttourismus sorgt dafür, dass sich die Besuchermassen auf wenige Orte und Tageszeiten konzentrieren. Das belastet die ohnehin empfindliche Bausubstanz und führt zu einem Ungleichgewicht zwischen Einheimischen und Gästen.

Zwar gibt es inzwischen Maßnahmen, wie z. B. eine Eintrittsgebühr für Tagesgäste an besonders stark frequentierten Tagen (2025: 54 solcher Tage), doch zur Karnevalszeit oder im Sommer reichen diese kaum aus.

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Besser meiden: Mai bis August, Schulferien und Events wie der Karneval
Anders reisen: Im Winter – aber nicht zum Karneval – und mit Übernachtungen in der Stadt oder auf den Inseln der Lagune, um das alltägliche Venedig kennenzulernen.

3. Amsterdam: auf dem Weg zum Kulturwandel

Ziele abseits der ausgetretenen Pfade

Die niederländische Hauptstadt ist leicht erreichbar, charmant und voller Leben – und war lange ein Magnet für Kurzurlauber. Doch die Zahl der Besucherinnen und Besucher ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Das historische Zentrum leidet unter Überfüllung, und für die Einheimischen ist der Alltag dadurch oft eingeschränkt.

Mit rund 20 Millionen Gästen pro Jahr ist Amsterdam besonders im Frühling (zur Tulpenblüte) und im Sommer überlaufen. Die Stadt bemüht sich inzwischen, ihr Image zu wandeln – hin zu mehr Kultur, besser verteilt über Ort und Zeit. Doch in der Hochsaison bleibt der Andrang hoch.

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Besser meiden: März bis April sowie Juli bis August, besonders an Wochenenden
Anders reisen: Im Herbst oder unter der Woche – und vielleicht kombiniert mit Utrecht, Leiden oder Haarlem, die ganz in der Nähe liegen und per Zug gut erreichbar sind.

4. Dubrovnik: Opfer des eigenen Erfolgs

Europäische Städte, die man im Jahr 2026 meiden sollte

Dubrovnik hat sich binnen weniger Jahre zu einem der beliebtesten Reiseziele im Mittelmeerraum entwickelt – nicht zuletzt wegen zahlreicher Film- und Serienproduktionen. Mit rund 27 Besucherinnen und Besuchern pro Einwohnerin ist die mittelalterliche Altstadt stark belastet, vor allem durch Kreuzfahrttourismus.

Das Stadtzentrum ist klein und wunderschön – aber oft so überfüllt, dass sowohl Gäste als auch Einheimische frustriert sind. Die Behörden versuchen, mit Zugangsbeschränkungen und Besucherlimits gegenzusteuern. Doch auch 2026 dürfte der Andrang in der Hochsaison groß bleiben.

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Besser meiden: Juni bis August
Anders reisen: Im Frühling oder Herbst/Winter – mit längerer Aufenthaltsdauer und Abstechern ins kroatische Hinterland oder auf weniger frequentierte Inseln.

5. Santorini: ein Postkartenidyll unter Druck

nachhaltiger Tourismus

Santorini steht wie kaum ein anderes Reiseziel für spektakuläre Sonnenuntergänge, weiße Häuser und blaue Kuppeln – und wird gerade deshalb überrannt. Die touristischen Höhepunkte konzentrieren sich auf wenige Orte und Tageszeiten. In der Hauptsaison ist der Ansturm besonders groß.

Die kleine Insel verfügt über begrenzte Ressourcen – etwa beim Wasser oder der Infrastruktur. Der Massentourismus im Sommer bringt das fragile Gleichgewicht ins Wanken. Maßnahmen wie eine Höchstgrenze von 8.000 Kreuzfahrtgästen pro Tag sollen Abhilfe schaffen.

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Besser meiden: Juli bis August, vor allem die bekanntesten Orte
Anders reisen: Frühling oder Herbst – oder alternativ eine andere griechische Insel mit weniger Andrang, aber ebenso viel Charme.

6. Lissabon: beliebt wie nie

Vermeiden Sie Overtourism im Jahr 2026

Lissabon begeistert seit Jahren mit mildem Klima, entspannter Atmosphäre und reicher Geschichte – und ist mittlerweile kein Geheimtipp mehr. Rund eine Million Menschen leben in der Stadt, die Tourismuszahlen steigen seit Jahren stark an.

Beliebte Stadtteile wandeln sich rasant, Wohnraum wird knapp, der Nahverkehr ist überlastet. Die Stadt bleibt ein wunderbares Reiseziel – doch gerade in der Hochsaison ist die Belastung spürbar.

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Besser meiden: Sommermonate und stark beworbene Events
Anders reisen: Im Winter oder Herbst – und in Kombination mit ruhigeren Regionen wie dem Alentejo oder dem Douro-Tal.

Welche Lösungen helfen, den Tourismus besser zu verteilen?

alternatives Reisen

Übertourismus ist kein unvermeidbares Schicksal. Es gibt viele Möglichkeiten, Besucherströme besser zu lenken – auf individueller wie auf struktureller Ebene.

1. Außerhalb der Saison reisen

Oft ist dies der wirksamste Weg, um Besuchermengen zu entzerren. Die Einheimischen kehren zu ihrem Alltag zurück – und Reisende erleben die Orte entspannter, ursprünglicher und mit mehr Freiraum.

2. Neue Wege gehen

Weniger bekannte Viertel, unbekanntere Städte oder ländliche Regionen entdecken – das entlastet Hotspots, fördert regionale Wertschöpfung und führt zu authentischeren Reiseerlebnissen.

3. Länger bleiben

Lieber einmal länger statt mehrmals kurz verreisen: Das reduziert den Druck durch An- und Abreise und führt zu tieferer Verbindung mit dem Reiseziel – zum Vorteil für Gäste und Region.

4. Langsamere Verkehrsmittel bevorzugen

Vor allem Zugreisen fördern längere Aufenthalte und erschließen vielfältige Regionen jenseits der touristischen Zentren. Im Gegensatz dazu konzentriert sich der Flugverkehr meist auf große Hubs.

5. Lokale Unterkünfte und Aktivitäten wählen

Zum Beispiel über Haustauschplattformen wie HomeExchange oder durch Angebote von lokalen Veranstalter*innen. So profitieren regionale Anbieter – ohne die negativen Folgen konzentrierten Tourismus – und Sie erleben das Reiseziel näher an seiner Alltagskultur.

6. Verantwortungsvoll planen mit geeigneten Indikatoren

Ein Beispiel: Der Better Index von Evaneos bewertet, wie stark Reiseziele vom Übertourismus betroffen sind – anhand von Kennzahlen wie:

  • Touristenzahl pro Einwohner
  • Touristendichte pro Quadratkilometer
  • Saisonabhängigkeit
  • Nachhaltigkeitsengagement des Reiseziels

Auf Basis dieser Analyse hat Evaneos beispielsweise entschieden, Santorin und Mykonos im Sommer nicht mehr anzubieten. Solche Indikatoren helfen auch Reisenden bei einer bewussten Entscheidung.

Leicht erreichbare Alternativen mit viel Potenzial

Wer bewusst andere Reiseziele wählt, entdeckt oft echte Perlen jenseits des Massentourismus. So tragen Sie zu einem ausgewogeneren Tourismus bei – und profitieren selbst von echter Gastfreundschaft, angenehmer Atmosphäre und spannenden Entdeckungen.

1. Turin, Italien: die elegante Hauptstadt des Piemont

Alternativziel

Turin wird häufig nur als Durchgangsstation wahrgenommen – zu Unrecht. Die Stadt vereint außergewöhnliche Architektur, barocke Paläste, ausgezeichnete Küche, ein reiches Kulturleben und einige der bedeutendsten Museen Italiens. Sie ist eine entspannte Alternative zu überlaufenen Städten wie Florenz oder Mailand.

Dank exzellenter Zugverbindungen in die Nachbarländer und in andere Teile Italiens ist Turin leicht erreichbar – und ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in die Alpen. Auch in der Hochsaison bleibt das Besucheraufkommen hier moderat.

2. Gent, Belgien: flämischer Charme ohne Massenandrang

wenig bekanntes Reiseziel in Europa

Meist im Schatten von Brügge oder Antwerpen, gehört Gent zu den reizvollsten Städten Flanderns – perfekt für eine kurze Städtereise. Die historische Altstadt ist hervorragend erhalten und weniger überlaufen als das berühmte Brügge.

Gent ist in wenigen Stunden per Zug aus Deutschland erreichbar und als Universitätsstadt das ganze Jahr über lebendig. Die Atmosphäre ist jung, die Kulturszene vielfältig – mit Museen, Konzerten, Kunstorten. Gent eignet sich auch gut als Ausgangspunkt für weitere Ausflüge in Flandern.

3. Freiburg im Breisgau, Deutschland: grüne Stadt am Rand des Schwarzwalds

Zu touristisches Ziel, um es zu meiden

Im Südwesten Deutschlands, nahe der Grenze zu Frankreich, liegt Freiburg – gut erreichbar per Zug. Die Stadt mit ihrem historischen Zentrum und studentisch geprägten Vierteln bietet eine entspannte, nachhaltige Lebensart.

Freiburg ist ideal für Erkundungen zu Fuß oder mit dem Rad. Seine Altstadt wartet mit liebevoll erhaltenen Details und regionaltypischer Architektur auf. Als Tor zum Schwarzwald lassen sich hier Naturerlebnisse und Stadtleben wunderbar kombinieren – auch zur Hochsaison.

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Wie Sie sehen: Wer bestimmte Orte bewusst meidet, muss nicht auf Entdeckungen verzichten. Wie wäre es, 2026 einmal anders zu reisen – und die Welt neu zu erleben?